Hallo Moses,

hast Du Dich im letzten Jahr gewundert, dass da plötzlich außerhalb der Gottesdienstzeiten eine Gruppe in die Kirche ging? Und da waren auch noch viele Frauen mit Kopftüchern und kleine Kinder dabei! Ja, das war eine ungewöhnliche Aktion. Unter der Führung unserer Diakonin Gitta Schölermann haben Gäste des Café i unsere Kirche erklärt bekommen. Eine Führung durch den Dom hat auch stattgefunden, und an einem anderen Tag sind alle in die Zentralmoschee nach Ehrenfeld gefahren. So entdeckte man Gemeinsamkeiten und Unterschiede, was sicher zum Verständnis für beide Seiten beigetragen hat.

Das Café i feiert in diesem Jahr sein zwei- jähriges Bestehen. Die Zeit ist wirklich schnell vergangen und aus den Fremden sind mittlerweile vertraute Gesichter geworden. Das Programm des letzten Jahres kann sich sehen lassen. Da wurden Kekse oder Weckmänner gebacken, Kürbissuppe und Marmelade gekocht, es wurde gebastelt und gespielt. Und natürlich wurde gelesen. Am liebsten hätten unsere Neubürger jeden Tag Deutschunterricht.

Es gab einen Ausflug in den Tierpark und ins Museum der Völker. Und als im Dezember der Nikolaus zu Besuch kam, war die Begeisterung groß. Die Kinder hatten Lieder eingeübt (und auch die Erwachsenen sangen mit) und Gedichte aufgesagt und wurden mit einem Geschenk belohnt. Das Smartphone-Foto mit Nikolaus zum Abschluss war der absolute Hit für die Familien. Am letzten Café-Tag vor Weihnachten war alles für den lebendigen Adventskalender geschmückt und alle blieben bis zum Schluss.

Für das Team war sicher der „Ladies- Nachmittag“ der Höhepunkt des Jahres. Die Frauen wollten sich für unser Engagement bedanken und haben einen Nachmittag für das Team gestaltet. Sie haben Essen mitgebracht und – wir waren ja unter uns Frauen – haben ihre Kopftücher abgelegt. Es gab ein großes Hallo, die „Mädels“ sahen irgendwie viel jünger aus. Nun ja, Kopftuch hat in unseren Breiten irgendwie mit „Oma früher“ zu tun, das hat unseren Blick sicher etwas getrübt. Da waren plötzlich blonde Haare und sogar ein rot eingefärbter Schopf zu sehen. Der Rotschopf hatte auch noch eine großartige Stimme und hat gesungen, mit dem Chor der Frauen als Begleitung. Natürlich wurde Bauchtanz gezeigt und wir wurden animiert, es doch auch einmal zu versuchen. Selten hat das Café so viel Gelächter und Begeisterungstriller gehört.

Ach ja, Moses, ich weiß natürlich, dass Du dich nicht wirklich wunderst, wenn Du das bunte Miteinander in unserer Gemeinde siehst. In Deinen biblischen Zeiten ging es ja noch viel bunter zu. Aber wir freuen uns, dass das Café i ein fester Bestandteil unseres Gemeindelebens geworden ist.

Petra Giel