Grüße aus der Ferne

Simone Geyda

Grüezi liebe Leser,

ich grüße Sie aus Klosters-Serneus in der Schweiz. Hier ist noch richtig Winter mit viel Schnee. Berge und Wiesen glänzen in der Wintersonne. Im Ortsbus treffe ich Skiläufer. Ihr Ziel ist das Skigebiet Parsenn-Gotschna mit 100 Pisten-kilometern. Vom Weissfluhjoch (2660 m) beginnt die 12 Kilometer lange Abfahrt nach Klosters,

wo ich in der reformierten Kirchengemeinde Klosters-Serneus eine Pfarrstelle bekommen habe. Ich bewohne eine Pfarrwohnung im Kirchgemeindehaus in Serneus. Zur
Kirchengemeinde gehört auch der Ort Klosters, wo meine Pfarrkollegin wohnt,
die ebenfalls aus Deutschland stammt.

Wir teilen uns die Gottesdienste in beiden Orten und wechseln uns mit den „Amtswochen“ ab. Wer gerade Aw hat, ist für alle Kasualien zuständig. Mich beeindruckt, dass bei Beerdigungen das ganze Dorf in der Kirche anwesend ist und immer ein Angehöriger den
Lebenslauf des Verstorbenen vorliest, oft mit Anekdoten. Es sind jeweils hübsche Schweizer Dorfkirchen aus Holz und mit Heizung! Heiligabend bieten wir jedes Jahr Gottesdienste in englischer Sprache für die Feriengäste an. In diesem Jahr durfte ich einen halten – eine neue Herausforderung! Das typische Krippenspiel (Schulweihnacht) findet schon Tage vorher statt und wird von der gesamten Primarschule mit viel Hingabe in der Kirche aufgeführt. Ich sorge für Dankesworte und den Applaus. Den haben sie sich alle verdient, denn sogar die Vorschulkinder (5 Jahre) machen bei den beiden Aufführungen bis in den späten Abend mit.

Ich gebe 4 Wochenstunden Religionsunterricht, was in kleinen Klassen von 12 Kindern sehr angenehm ist. Mit meiner Pfarrkollegin und dem Diakon verstehen wir uns als Team, haben wöchentliche Besprechungen und koordinieren gemeinsam u.a. die Kinder- und Jugendarbeit. Hier spricht man das typische Schweizerdeutsch, in das ich mich noch reinhören muss. Aber wenn ich die Leute bitte, Schriftdeutsch zu sprechen, entschuldigen sie sich und schwenken sofort um. Schriftdeutsch wird hier in der Schule gelehrt, und zu Hause wird Mundart gesprochen, das zeigt den Zusammenhalt und die Zugehörigkeit. Überhaupt nehme ich die Menschen hier als sehr freundlich, zurückhaltend, aber interessiert wahr. Das „du“ untereinander ist selbstverständlich. Die Schweizer lieben ihr Land, auch weil sie viele lokale Angelegenheiten direkt per Abstimmung mitentscheiden können.

Ich freue mich, in dieser herrlichen Gegend als Gemeindepfarrerin zu arbeiten. Gern denke ich an unsere Begegnungen in Köln zurück und surfe immer mal wieder durch die Webseiten Ihrer Gemeinde, um informiert zu sein. Also, bis zum nächsten Ski- und Wanderurlaub in Klosters-Serneus oder Gottesdienst in Köln?!


Herzlich Ihre Simone Geyda