Neuer Gemeindebrief Dezember 2017 bis Februar 2018

Liebe Gemeinde!
Bitte nur ein Kreuzchen! – so fordert uns das Titelbild auf. Bitte nur eins, das geht nicht. Nicht bei Weihnachten! Und nicht bei der Auswahl, die mir da zur Verfügung steht, das ist mein erster Gedanke. Weihnachten, das sind: die Weihnachtsbotschaft, ein paar ruhige Tage, ein Familienfest in Harmonie, mit Geschenken und vor allem dem Wunsch nach Waffenruhe, Frieden überall auf der Welt. Das würden sich viele von uns wünschen, auch die, die das Familienfest zu Hause mit dem Skiurlaub in den Bergen tauschen. Alles hängt miteinander zusammen. 
Und dann fehlen auf dieser Liste ja auch noch viele Dinge, die für uns auch noch mit Weihnachten verbunden sind, Dinge die wir uns vornehmen und die wir so schätzen: einen Weihnachtsbaum aufstellen, festlicher Schmuck, einen Speiseplan erstellen und die leckersten Familiengerichte auf den Tisch zaubern, in die Kirche gehen, wenn es hoffentlich zeitlich klappt, und darauf achten, dass im Laufe des Heiligen Abends und an den beiden Weihnachtstagen kein Streit innerhalb der Familie entsteht, denn die Familie ist ja angereist und so wie sonst nie im Jahr eng zusammen.
Wie kommen wir aus diesem Dilemma heraus, nur ein Kreuzchen und so viele Anforderungen?
Wahrscheinlich ist die Aufforderung „Bitte nur ein Kreuzchen!“ richtig hilfreich, denn wir lenken dadurch unsere ganze Energie auf einen Punkt, wir verzetteln uns nicht und überfordern uns dann wahrscheinlich weniger. Dann könnte das Gewählte wie eine Überschrift über die Weihnachtstage sein.
Nehmen wir zum Beispiel die Waffenruhe und buchstabieren sie durch:

1. Wir sehen jedes Jahr, dass auch in den Advents – und Weihnachtstagen Kampf und Krieg auf unserer Erde wüten. Furchtbar, schrecklich. Wie kann Frieden werden? Wenn Kampf oder gar Krieg herrschen, dann wird Frieden auf Erden durch Waffenruhe vielleicht mit vorbe- reitet. Ich denke mir, in einer Waffenruhe kann die Ahnung geweckt werden, wie es sein könnte, ohne Kampf zu leben und vor allem zu überleben. Mit einer Waffenruhe wird der Kampf unterbrochen, die Parteien auf beiden Seiten können sich besinnen auf das, warum sie in Kampf geraten sind. Und andere Lösungsmöglichkeiten außer der des gegenseitigen Tötens können gesucht werden. Wenn die Waffen ruhen, ist durch die Unterbrechung ein Aufatmen, ja das Leben und Überleben wieder eher möglich. Weihnachten mit Frieden auf Erden, und ab da für immer, was für eine wunderbare Vorstellung, unsere Sehnsucht danach ist groß.

2. Waffenruhe auch in der Familie: Wenn die „Waffen“ ruhen, auch in übertragenem Sinn, in den Gesprächen am Weihnachtstisch, dann hat ein wirklicher Austausch verschiedener Meinungen eine Chance. Und das ist eine gute Gelegenheit, dass ganz unterschiedliche Familienmitglieder sich tiefer begegnen können, wieder mehr voneinander erfahren. Und das ganz friedlich.

3. Waffenruhe in mir selbst ist dann das dritte Thema: Frieden in mir, alles, wonach ich mich sehne. Oft sind wir selbst unsere schärfsten Gegner und unerbittli-che Treiber. Wie wäre es, wenn: … ich aufhörte gegen mich selbst zu kämpfen, mich ständig auch selbst unter Druck zu setzen? Wie wäre es, in den Weihnachtstagen mir dafür Zeit zu nehmen, einen Plan zu machen, wie es anders sein kann? Dann können die Weihnachtstage ein Anfang sein, einfach aufzuhören, mit dem, was mich drückt und mir den Lebensmut nimmt. Das Wahrnehmen steht am Anfang, die Gedanken können helfen etwas im Leben bleibend zu ändern.
Und schließlich

4. Waffenruhe mit Gott – Gott hat Frieden mit der Welt gemacht, in Gottes Versöhnung mit uns Menschen liegt die Kraft unseres Glaubens. Gott sandte den Sohn, den Überbringer der Frohen Botschaft uns zum Heil. Das zu feiern, darum geht es an Weihnachten. Das ist der Grund dafür, warum wir mit Weihnachten ein so hohes christliches Fest feiern, für das wir zum Glück in unserem Land gleich 3 Festtage zur Verfügung gestellt bekommen (wenn wir den Heiligen Abend mitzählen).

Wählen Sie also bewusst eins der vorgeschlagenen Dinge und nehmen Sie sich Zeit, es zu durchdenken, dann könnten Sie einen Schlüssel finden, wie Sie mit all den Anforderungen, die von außen oder auch von uns selbst an die Weihnachtstage herangetragen werden, besser umgehen können. Und dass Sie erleben können, dass weniger Druck und Ansprüche für das Fest mehr Festfreude bringen. Es muss nicht alles geschafft werden, es ist auch nicht alles zu schaffen. Weniger ist mehr, da bin ich froh drum. Mit Gottes Hilfe kann es eine frohe, friedvolle Zeit werden. Das wünsche ich Ihnen.

Ihre Pfarrerin
Monika Crohn