Neuer Gemeindebrief Dezember bis Februar 2019

Werde licht!  In der dunklen Jahreszeit hat das Licht eine ganz große Bedeutung für uns. Gerade in der Advents- und Weihnachtszeit zünden wir viele Lichter an. Sonntag für Sonntag zünden wir ein Licht mehr an, um dem „Licht der Welt“ ein Stück näher zu kommen.

Die Sehnsucht ist groß nach dem „Licht der Welt“, das nicht nur die winterliche Dunkelheit, sondern auch die Angst aus unseren Herzen vertreibt. Angst aus den Herzen vertreiben wollte auch der Prophet Jesaja, als er die Worte „Mache dich auf und werde licht, denn dein Licht kommt“ (Jes 60,1) an das verängstigte Volk Israels richtete, das aus der Gefangenschaft in Babylon nach Jerusalem in ihre zerstörte Heimat zurückkehre. Sie sahen nur noch Armut, Not und Bedrängnis. In diese Situation hinein spricht der Prophet diese Hoffnungsworte, an welche wir uns in der Advents- und Weihnachtszeit immer wieder erinnern und uns dieses Hoffnungswort auch zusprechen lassen, denn es gilt auch uns. Diese Hoffnungworte machen uns deutlich: Weihnachtsgeschichten sind Lichtgeschichten. Geschichten vom Hell -Werden.

Ein Stern über Bethlehem, die Geburt eines Kindes, strahlende Gesichter und Kerzen. Und gerade, weil Weihnachtsgeschichten vom licht (hell) Werden erzählen, steht am Anfang die Dunkelheit. Alle Weihnachtsgeschichten beginnen im Finstern.

Auch unsere eigenen. Wir wollen ja auch keine heile Weihnachtswelt vorgaukeln, sondern benennen die Welt, wie sie ist, dunkel. Damit ist all das gemeint, was uns wie eine Last auf den Schultern liegt: Sorgen, Streit, Krankheiten, Trennungen, eine zerbrochene Freundschaft, Tränen, Zukunftssorgen. Manchmal ist das Dunkle im Leben nur ein kleiner Schat- ten, kaum erkennbar, weil vieles gut und in Ordnung ist. Manchmal aber fühlen wir uns auch überwältigt von schlechten Nachrichten, Überforderungund Hoffnungslosigkeit. Dieser dunklenWelt gilt es dann das Hoffnungswort Jesajas und damit die Aussicht auf Licht entgegenzustellen: „Mache dich auf und werde licht, denn dein Licht kommt“. Und gerade dann, wenn die Dunkelheit alles zu verschlucken droht, dann strahlt jedes kleinste Licht plötzlich umso heller.

Die Weihnachtsgeschichte selbst ist eine Geschichte vom großen Licht. Wir erinnern uns an die Hirten, wie auch sie in finsterer Nacht traurig dastanden. Doch da kam ganz unverhofft der Engel Gottes mit hellem Lichterschein und verkündete ihnen die große Freude der Heilandsgeburt. Darum feiern wir ja überhaupt Weihnachten: Weil mit Jesus Christus ein großes Licht in unsere dunkle Welt gekommen ist, und mit dem Licht große Freude. Als Jesus dann erwachsen war, bezeugte er auch selbst von sich: „Ich bin das Licht der Welt.“

Heute frage ich mich, wo Jesus es in unserem Leben Weihnachten werden lässt.

Wo erfüllt sich in unserem Leben diese Weihnachts-Botschaft? Weihnachten ist nämlich nicht nur eine alte Geschichte- nein, Weihnachten passiert immer wieder, wenn es im Leben eines Menschen hell wird. Wenn unerwartet etwas Schönes passiert, wenn Gott ins Leben hereinbricht. Wenn ich überrascht werde. „Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet“ – wenn dieser erstaunte Satz fällt, dann ist das oft ein sicheres Zeichen für eine Weihnachtsgeschichte. Das nächste Merkmal einer Weihnachtsgeschichte ist die Freude. Weihnachtsgeschichten machen Menschen fröhlich. Denken wir z.B. an die Geburt eines Kindes, welch Freude. Und das ist doch ein schöner Gedanke, dass auch Jesus in der Krippe einfach ein Strahlen bei den Menschen hervorgerufen hat. Damit sind wir beim letzten Merkmal für eine Weihnachtsgeschichte. Es reicht nicht, dass ein dunkles Leben plötzlich heller wird, dass überraschende Freude eintritt – die Weihnachtsgeschichten müssen auch als solche verstanden werden. Jesu Geburtsgeschichte wäre wohl kaum in der Bibel aufgenommen worden, wenn nicht irgendwann jemand erkannt hätte, dass sie von Gottes Sohn erzählt. Geschichten. Sie werden für uns erst zu Weihnachtsgeschichten, wenn wir darin Gott erkennen, der unser Leben hell macht.

Gott Wirken ist hier zu spüren. Er wird Mensch. Durch Jesu Geburt ist Gott einer von uns geworden. Er wurde zum Lichtbringer in unserer Welt. So ist das auch mit unseren persönlichen Weihnachten – das heißt zu erkennen: Gott macht mein Leben hell. Gott wirkt in dieser Welt und er wirkt wunderbar durch uns hindurch. Er gibt uns Kraft und Licht und dieses Licht scheint durch uns nach außen. Wir sind somit Kinder des Lichts. Darum höre ich den Satz „Mache dich auf und werde licht“ als Aufruf, uns als Kinder des Lichts auf den Weg zu machen, um das Licht weiter zu geben. Denn dieses Licht ist hell, es strahlt, es bringt Licht ins Dunkel, fasziniert und zeigt uns den Weg.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gesegnete Weihnachten!

Pfarrerin Dagmar Müller