Neuer Gemeindebrief Dezember bis Februar

Geistliches Wort

Liebe Gemeinde,
schon oft habe ich die Weihnachtsgeschichte im Gottesdienst gehört oder selbst gelesen, und jedes Jahr erfasst mich neben der Freude an diesem Wunder auch eine tiefe Ruhe.

Es liegt an diesem einen Satz, an dem ich immer und immer wieder beim Lesen und Hören hängen bleibe: Fürchtet euch nicht! Ganz unzweifelhaft ist es für mich einer der schönsten Sätze der Bibel. Und gefühlt wäre dieser Satz für das Jahr 2019 täglich aktuell gewesen.

Fürchtet euch nicht. Dieser Satz ist weder zynisch noch naiv gemeint. Die Tatsache, dass die Welt nicht gesund ist, dass es Leid und Ungerechtigkeit gibt, ist Fakt und äußerst beklagenswert. Doch statt uns zu verkriechen und uns die Decke über den Kopf zu ziehen, soll uns dieser Satz Mut machen. Fürchtet euch nicht, denn eure Furcht lähmt euch. Fürchtet euch nicht, denn es ist Grund zur Freude und zur Hoffnung, so sagte es auch der Engel zu den Hirten.

Die Hirten tun genau das Richtige. Sie verkriechen sich nicht in ihrer Angst, verfallen weder in Melancholie noch in Weltschmerz. Sie stehen auf und laufen los. Sie laufen zu dem Kind in der Krippe. Vielleicht mit einem Rest an mulmigem Gefühl machen sie sich auf den Weg, um Gott zu suchen, um niederzuknien vor diesem Wunder, das geschehen ist.

Auch wir machen uns jedes Jahr auf den Weg zur Krippe. Die Angst, die uns als Menschen einnimmt, wird nie ganz verschwinden. Jeder und jede von uns hat sein oder ihr eigenes Angstpaket zu tragen. Und genau dieses Angstpaket nehmen wir mit in den Stall nach Bethlehem. Und in dieser Angst, in unserer Angst, lässt sich Gott finden.

So dunkel die Nacht uns auch erscheint, Gott macht sich klein für uns, schenkt uns sein Licht, damit wir keine Angst mehr haben müssen, damit wir diesem Wunder vertrauen können. Also: Steht auf, lauft zur Krippe, so wie die Hirten auf dem Feld es getan haben.
Gott lässt sich finden, fürchtet euch nicht!

Ihre Pfarrerin Laura Kadur