Neuer Gemeindebrief März bis Mai 2018

Jahreslosung 2018:
„Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“
Liebe Leserin, lieber Leser,
wie in jedem Jahr haben die Kirchen auch für das Jahr 2018 gemeinsam ein Bibel- wort ausgewählt, das uns durch das Jahr begleiten soll. Diesmal ist es ein Wort aus der Offenbarung des Johannes.
Dieser Vers wirkt zunächst wie ein Wort, das uns in der westlichen Wohlstandswelt gar nicht so richtig betrifft:
– Wann haben Sie zuletzt wirklich Durst gehabt? 
– Wann haben Sie sich zuletzt nach Wasser gesehnt, nur Wasser?
– Wann hatten Sie es zuletzt nötig, dass man Ihnen etwas umsonst gibt?

Die Meisten werden vermutlich antworten: Oh – das ist sehr lang her.
Wenn ich aber einen Schritt weitergehe und dieses Bibelwort vom Durst und vom lebendigen Wasser von der Bildebene in mein Leben übertrage, dann merke ich schnell, dass dies Wort sehr wohl auch uns Heutige betrifft. „Lebensdurst“ haben wir alle, und am Anfang eines neuen Jahres oft ganz besonders: Wir haben uns Manches vorgenommen. Wir hoffen auf Erfolge. Auch wir sind durchaus „durstig“ – nach Glück, nach Liebe, nach Wertschätzung.
Und auch das ist uns vertraut, worauf das Bibelwort mit dem Begriff vom „lebendigen Wasser“ anspielt: Es gibt ja unter uns auch so viel „totes Wasser“, tötendes, faules, vergiftetes Wasser, für das wir oft auch noch teuer bezahlen müssen, nicht nur mit Geld, auch mit unserer Lebenszeit oder unserer Lebensenergie.
Ich denke dabei zum Beispiel an die falsche Quelle, über der steht: „Hast du was, dann bist du was.“ Mit wieviel Lebensenergie bezahlen wir für das Trinken aus dieser Quelle, sprich: für die Vermehrung unseres materiellen Besitzes? Ich denke weiter an das Hamsterrad immer schnelleren Lebens und Arbeitens, um im Rennen zu bleiben und vielleicht ein bisschen Bedeutsamkeit abzubekommen. Ich denke auch an all die oberflächlichen Befriedigungen von Lebensdurst, die der Konsum- und Unterhaltungs-Markt unserer Zeit so vielfältig anbietet. Wirklich stillen kann all dieses „schlechte Wasser“ unseren Lebensdurst nicht.
Die Jahreslosung ermutigt uns, uns von den schlechten Quellen zu distanzieren. Lieber sollten wir „durstig“ bleiben und darauf hoffen, dass Gott unseren Lebensdurst auf seine Weise stillen wird.
Überlegen Sie einmal für sich selbst: Was ist das, wonach Sie durstig bleiben wollen in diesem Jahr?
Halten Sie daran fest.
Betäuben Sie diese Sehnsucht nicht. Gott hat versprochen, unseren Durst zu sehen und uns von seinem „Wasser des Lebens“ zu geben.

Ihr
Wolfram Behmenburg, Pfarrer