Trinität – Wie wir von Gott sprechen

Grafik: Pfeffer

Das Redaktionsteam bat mich, einige Zeilen darüber zu schreiben, wie ich den Konfirmanden das komplexe Thema der Trinität nahebringe. Das theologische Konstrukt der Trinitätslehre ist in der Tat kompliziert und führt selbst bei manchen Theologiestudierenden zu Verständnisschwierigkeiten,

wenn sie sich mit der Entstehung und Geschichte der Trinitätslehre der Alten Kirche beschäftigen. In einem längeren, sich verdichtenden Reflexionsprozess mit vielen auseinandersetzungen setzte sich im 2.-5. Jh. n. Chr. das Verständnis durch, dass Gott, ohne aufzuhören einer zu sein, am besten durch seine drei Wesensprägungen zu fassen ist und somit in sich dreigestaltig sei: „ein Wesen – drei Seinsweisen“ (lat. „una substantia – tres personae“, vgl. Tertullian). Dieses spezifisch christliche Gottesverständnis wird als Trinität, Dreieinigkeit bzw. Dreifaltigkeit bezeichnet.

In unseren Gottesdiensten taucht oft die Formulierung „Vater, Sohn und Heiliger Geist“ auf. Auch im Taufbefehl bei Matthäus (Mt 28,19) sowie im sog. Kanzelgruß (2. Korinther 13,13): „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“ Auch begegnen wir in Kirchen und Museen Bildern zur Dreieinigkeit, die in der Regel zwei Wesen und eine Taube darstellen.

Was aber bedeutet diese trinitarische Formel? Wie können wir die Dreieinigkeit für die jüngeren Gemeindeglieder so übersetzen, dass sie verstehen oder zumindest erahnen, dass es nicht um drei verschiedene Wesen geht, sondern um den einen Gott der Bibel, dessen verschiedene Erscheinungsweisen man mit dieser Formel beschreibt?

Im Konfirmandenunterricht versuche ich, dies mit Hilfe unseres Glaubensbekenntnisses zu erklären, das aus drei Artikeln besteht: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Bei der Erschließung des Glaubensbekenntnisses wird darauf geachtet, dieses Konzept nicht rein kognitiv zu vermitteln, sondern den Konfirmanden auch durch sinnliche Erfahrung näherzubringen. Dazu legen wir das Glaubensbekenntnis in Form einer Spirale auf den Boden. Wir besprechen es Satz für Satz, und zum Schluss dürfen die Konfirmanden Teelichter auf die Textpassagen stellen, denen sie zustimmen, und rote Fragezeichen auf die Passagen legen, mit denen sie Schwierigkeiten haben.

Diese Art, sich dem Glaubensbekenntnis zu nähern und dabei das Trinitätsmodell aufzunehmen,funktioniert bei unseren Konfirmanden sehr gut.

Beim 3. Artikel des Glaubensbekenntnisses, dem Heiligen Geist, kommen die meisten Fragen auf, weil es die Seinsweise Gottes ist, die wir uns am wenigsten vorstellen können. Wie wirkt der Heilige Geist, wie kann ich ihn erkennen? Das sind häufige und berechtigte Fragen, die wir versuchen, über spielerische und erlebnisorientierte Arbeit zu erschließen. So gehen wir beispielsweise in die Natur, versuchen, dem Wind nachzuspüren, bauen ein Windrad und beobachten, wie es bewegt wird, oder versuchen es alternativ über Rollenspiele auf dem Gruppensofa, in denen die Konfirmanden in unterschiedlichen Sprachen sprechen und sich durch die Wirkung des Heiligen Geistes dennoch verstehen.

Mit diesen praktischen Beispielen verknüpfen wir die biblischen Textstellen über den Heiligen Geist, z.B. aus Joh 3,8: Hier wird er als Wind beschrieben, der weht, wo er will. Als Brausen, dessen Wirken erkennbar, aber nicht rational erklärbar ist. Ruach (hebr.) im Alten Testament und pneuma (lat.) im Neuen Testament lassen sich mit Wind, Atem, Hauch übersetzen. Wir können den Geist wie den Wind an seinen Wirkungen erkennen. Durch die Ausgießung des Geistes werden Menschen einander nähergebracht, verstehen einander plötzlich, finden zu einer Gemeinschaft zusammen, z.B. bei Joel 3 und in der Apostelgeschichte 2.

Durch den Text des Glaubensbekenntnisses sowie durch solche „Spiele“, die wir für Gott-Vater, Gott-Sohn und Gott-Heiliger Geist durchführen, gelingt es uns, die komplizierte trinitarische Formel für uns aufzubrechen, so dass wir oft zu folgendem Ergebnis in unserer Konfirmandenarbeit kommen:


Die Trinitätslehre ist also ein theologischer Versuch für das Reden von dem einen Gott! Die trinitarische Formel als der Glaube an Gott-Sohn und Gott Heiliger Geist. Denn im Handeln Gottes sind alle drei „Seinsweisen/Personen“ beteiligt. Gott ist zugleich der Schöpfer der Welt (Gott-Vater), derjenige, der sich mit uns versöhnt hat (Gott-Sohn), und derjenige, dessen Wirken in und mit uns Glaubenden, Liebenden und Hoffenden ist (Gott-Heiliger Geist). Sprechen wir von der Schöpfung Gottes, so ist stets das versöhnende Handeln des Sohnes und das erlösende Wirken des Heiligen Geistes gleichgewichtig mitzudenken.

Pfarrerin Dagmar Müller