100 Jahre evangelischer Gottesdienst in Weiden

Am 21. April 1907 wurde im Saal der Restauration Heinrich Horst, der heutigen Gaststätte „Hubertus“, am Bahnhof Köln-Lövenich in der Brauweiler Straße, der erste evangelische Gottesdienst im Bereich der heutigen Evangelischen Kirchengemeinde Weiden gefeiert. Seit 1907 entwickelte sich in Weiden/Lövenich und Umgebung allmählich ein eigenständiges kirchliches Leben innerhalb der Kirchengemeinde Frechen.

Im Jahre 1948 war die Gemeinde in Weiden soweit angewachsen, dass sie sich als Evangelische Kirchengemeinde Weiden konstituierte. Seitdem umfasst sie das Gebiet der bis 1974 selbständigen Kommunen Lövenich und Brauweiler, also die heutigen Kölner Stadtteile Junkersdorf, Weiden, Lövenich und Widdersdorf sowie Frechen-Königsdorf und die Pulheimer Stadtteile Brauweiler, Dansweiler, Freimersdorf, Geyen, Sinthern und Manstedten. Die für die Randlage einer deutschen Großstadt seit den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts typische Siedlungstätigkeit hat dazu geführt, dass im Laufe von gut drei Jahrzehnten in den meisten dieser Stadtteile ein je eigenständiges kirchliches Leben entstanden ist. Heute können sich evangelische Christen in sechs lokalen Gemeinden innerhalb der Großgemeinde Weiden zu Hause fühlen.

Ein Sonderfall in der Entwicklungsgeschichte hängt mit der Arbeitsanstalt in Brauweiler zusammen, die die preußische Provinzialverwaltung nach dem Ende der Franzosenzeit in der ehemaligen Benediktinerabtei errichtet hatte. Die dort tätigen Anstaltsseelsorger waren über die Mauern der Anstalt hinaus von einer gewissen Bedeutung für die Evangelischen am Ort.

„100 Jahre evangelischer Gottesdienst“ ist für unsere Kirchengemeinde ein denkwürdiges Ereignis: Die „Muttergemeinde“ Frechen geht zwar bis auf die Reformationszeit zurück. Jedoch spielt diese Verwurzelung im Bewusstsein der historischen Entwicklung in Weiden seit 1907 keine herausragende Rolle.

Prägend ist vielmehr das Zusammenwachsen von Menschen, die miteinander Gemeinde geworden sind. Sie kamen im 19 Jahrhundert als preußische Beamte und infolge der Industrialisierung. Sie kamen nach dem Zweiten Weltkrieg als Flüchtlinge und seit den 50-er Jahren als qualifizierte Arbeitskräfte in die aufstrebende Kölner Region. Sie kamen aus unterschiedlichen evangelischen Traditionen, aus ganz Deutschland und den ehemaligen Ostgebieten.

Prägend ist weiterhin der Anbruch neuen kirchlichen Lebens und die Suche nach dem Profil im katholisch geprägten Umfeld. Dafür stehen unter anderem die prägnanten Kirchen und Gemeindehäuser, die Orientierung an den Themen und Bedürfnissen der Menschen in den Stadtteilen, die Qualität der Kirchenmusik mit der Singschule, die sozial-diakonischen Projekte in Vergangenheit und Gegenwart und die ökumenische Zusammenarbeit mit den katholischen Pfarrgemeinden vor Ort.

Am 29. April 2007 begang die Evangelische Kirchengemeinde Weiden ihr Jubiläum mit einem großen Festgottesdienst im Jochen-Klepper-Haus, zu dem Nikolaus Schneider, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, als Prediger erschien. Die Evangelische Singschule Köln-West, deren Träger die Kirchengemeinde ist, präsentierte sich auch im Anschlussprogramm mit ihrem Können.

Eine ausführliche und reich bebilderte Festschrift mit dem Titel „Aufbruch im Westen“ haben wir in Zusammenarbeit mit dem Pulheimer Verein für Geschichte e.V. erstellt. Das Buch beleuchtet Geschichte und Gegenwart der großen Kirchengemeinde. Es ist für 14,80 Euro in der Gemeinde sowie im lokalen Buchhandel erhältlich.

Geschichtsverein Pulheim:
www.vfg-Pulheim.de