Die Jahre 1980 bis 1998

Auf den erneuten großen Umbau des „Jochen-Klepper-Hauses“ 1978 folgte zunächst eine Fülle neuer Aktivitäten – wie ab 1979 Ökumenische Liturgische Nächte, die die ökumenische Aufbruchstimmung der folgenden Jahre schon vorbereiteten – z. B. heute die gemeinsamen Gottesdienste in der Osternacht mit gegenseitigem Kerzengruß und Kanzeltausch von kath. und ev. Pfarrern im Stadtteil Weiden (etwas nach wie vor recht Seltenes in vielen Gebieten Deutschlands!).

Das Jahr 1980 war dann gekennzeichnet von der „pfarrerlosen Zeit“. Nach Frau v. Waechter, die nach Widdersdorf ging, verabschiedete sich im Frühjahr auch Dr. Link nach Genf, so dass bis zum Spätherbst eine Pfarrervakanz in Weiden herrschte. So mussten Presbyterinnen und Presbyter unserer Gemeinde sowie andere Laien den Konfirmandenunterricht selbst gestalten – mit theologischer Unterstützung u. a. von Pfarrer Nessling vom Pädagogisch-Theologischen Institut Bonn (PTI) und der in Weiden ansässigen Religionspädagogen Prof. Wichelhaus und Peter Lungershausen. Dabei entstand das „Hausgruppen-Modell“, das auch in den folgenden Jahren weitergeführt wurde.

Weitere neue Gruppen entstanden (die es bis heute gibt), wie z. B. die Krabbelgruppen durch die „Krabbelmütter“.

Am 3.10.1980 konnte die 50-Jahrfeier der Einweihung der Ev. Kirche Weiden mit einem großen Festvortrag („Vom Werden der Ev. Gemeinde Weiden von Napoleon bis Adenauer“) des Kirchenhistorikers und früheren Frechener Pfarrers Dr. Bienert feierlich begangen werden.

Neue Pastoren/Pfarrer

Ende 1980 kam dann Frau Regina Kulpe, die sich ab 1984 die 1. Pfarrstelle mit ihrem Ehemann Volker von Eckardstein teilte; ab 1987 bis Juli 1993 übernahm dieser die Pfarrstelle allein. Seit April 1982 war Frau Ulrike Termath für fast zwei Jahre in Weiden tätig, ehe im Herbst 1984 Herr Wolfram Behmenburg die 2. Weidener Pfarrstelle (Weiden-Süd) übernahm, der sich seit Herbst 1994 diese Stelle mit Frau Ursula Scholl teilt.

Schon zum 1.10.1990 kam Frau Monika Crohn auf eine neugegründete Pastorenstelle im Sonderdienst mit den neu zu versorgenden Arbeitsgebieten „Taufprojekt“ und „Übersiedlerarbeit“ und pfarramtlichen Funktionen für Lövenich. Sie wurde im November 1993 als Nachfolgerin Volker von Eckardsteins auf die 1. Pfarrstelle (Bezirk Weiden-Nord/Lövenich) gewählt.

Diese Sonderdienst-Arbeitsbereiche für den Doppelbezirk Weiden erschienen dem Presbyterium so wichtig, dass wieder Sonderdienst-Pastoren gewählt wurden: Pastor Uwe Schmidt versah den Dienst vom 1. 4. 1994 bis 30. 8. 1997; Pastor Detlef Schneider ist seit dem 1. 2. 1998 tätig.

Die Debatte um Frieden und Nachrüstung

Ab 1980 war auch die Zeit für Themen wie „Kirche – Frieden – Abrüstung“, die durchaus kontrovers und mit sichtbaren Symbolen, wie z. B. lila Tüchern und Heraushängen von Bettlaken auch in unserer Gemeinde behandelt wurden. Die öffentlich sehr breit geführte Diskussion um den „NATO-Doppelbeschluß zur Nachrüstung“ fand so auch ihr vielfältiges Echo in unserer Gemeinde. Zustimmung aus Glaubensüberzeugung bei den einen und Betroffenheit bis Zorn bei manchen anderen Gemeindegliedern löste aus, dass sich Diskussionen und Schrifttums-Verteilung zu solchen Themen bis in den Gottesdienst (-raum) erstreckten. Es gab z. T. heftige, zumeist schriftliche Kontroversen zu diesem Themenkomplex – auch in unserem Gemeindebrief „Begegnungen“.

Im Zusammenhang mit den Themen Frieden und Versöhnung ist auch an die ökumenischen Friedensgebete zu erinnern und die Entstehung des Taizé-Kreises unter Pfarrer v. Eckardstein, der sich regelmäßig zu meditativer Einkehr wie auch zu Taizé-Fahrten zusammenfand.

Einige weitere Jubiläen

1986 konnte die Singschule der Ev. Gemeinde Weiden auf ihr 25jähriges Bestehen zurückblicken, das kirchenmusikalisch-festlich und mit einer eigenen Festschrift gebührend gefeiert wurde. Die Singschule ist aus dem Leben unserer Gemeinde nicht mehr wegzudenken. Auch Politiker, Öffentlichkeit und Presse würdigten die große kulturelle und ökumenefördernde Leistung der Singschule unter der Leitung von Klaus Linkenbach für den ganzen Kölner Westen.

1989 konnte die äußerst aktive Ev. Frauenhilfe Weiden ihr 75jähriges Jubiläum mit einem Festgottesdienst begehen; 1994 feierten sie mit einem weiteren Festgottesdienst ihren „80. Geburtstag“.

Neue Gemeindeglieder: Übersiedler und Spätaussiedler

Schon vor der Wende und deutschen Wiedervereinigung 1989/90 und dem Zusammenbruch der kommunistischen Regime jenseits des „Eisernen Vorhangs“ kamen Übersiedler aus der ehemaligen DDR und – damals noch spärlich – Spätaussiedler aus ehemals deutschbesiedelten Gebieten in Polen, später aus Rumänien und der ehemaligen Sowjetunion (sog. Rußlanddeutsche) in die Bundesrepublik Deutschland. Immer mehr von ihnen kamen auch nach Köln-Weiden; sie zogen zunächst in das alte Lövenicher Rathaus ein. Ab 1989 wurden dann auf der Potsdamer Straße zwei weitere Gebäude als Übergangsheim für deutschstämmige Spätaussiedler gebaut; viele von ihnen sind evangelischen Glaubens: diesen konnten sie oftmals in ihrer früheren Umgebung im Rahmen einer eigenen Gemeinde nicht offen bekennen.

Am 12. 3. 1988 hatte sich die Bürgerinitiative Spätaussiedlerhilfe Rathaus Köln-Weiden gegründet (ca. 40 Mitglieder damals; heute noch 6), von denen einige (wie die Vorsitzende, Frau Helga Schlapka) auch Gemeindeglieder unserer Ev. Gemeinde Weiden sind.

Beide Kirchen unterstützen die Initiative; sie werden in den kommenden Jahren erleben, dass immer mehr ihrer Gottesdienstbesucher aus den Reihen der Spätaussiedler stammen.

Aus Siebenbürgen/Rumänien kam als Spätaussiedler mit Georg Türk auch ein deutschstämmiger ev. Pastor nach Weiden, der die Seelsorge-Arbeit mit Spätaussiedlern sowie ihre Integration in die Ev. Gemeinde entscheidend voranbringt. Pastorin Crohn kann seine Seelsorge-Arbeit für ihre ev. Spätaussiedler-Arbeit gut übernehmen: sie tauft und konfirmiert am 12. 12. 1993 nach vorherigem viermonatigen Unterricht 15 junge Erwachsene im Alter zwischen 16 und 25 Jahren. Weitere Taufen und Konfirmationen von Spätaussiedlern folgen unter Pastor Schmidt. Großen Anklang finden auch die Feste mit den Spätaussiedlern, wie die Adventfeste mit Nikolaus und kleinen Päckchen für die Kinder.

Vorbildlich im Stadtteil Weiden: Die Ökumene

Die evangelisch-katholischen Kontakte in Weiden vertiefen sich in den 90er Jahren immer mehr: Ökumenische „Neuzugezogenentreffs“, regelmäßige Gesprächsreihen, Bibelseminare mit abschließendem ökumenischen Gottesdienst, regelmäßige Schul- sowie Altenheim-Gottesdienste, Glaubensgesprächs- und -gebetskreis (der aus gemeinsamen Exerzitien in der Passionszeit hervorging), gemeinsame Spaziergänge sind nur ein Teil des breiter gewordenen ökumenischen Miteinanders.