Lieblingstext: Berthold Brecht

Gedichte im Wonnemonat Mai. Als dritter Autor erzählt uns Berthold Brecht etwas vom Mai.
Laura Kadur

Mailied der Kinder

Am ersten Mai
Gehen Vater und Mutter in einer Reih
Kämpfen für ein besseres Leben.
Fron und Armut darf’s nicht geben:
Da sind wir auch dabei.
Grün sind die Zweige
Die Fahne ist rot.
Nur der Feige
Duldet Not.

’s ist Monat Mai.
Im Acker die Hälmchen stehen Reih an Reih.
Gute Ernte – gutes Leben!
Lasset uns die Hand drauf geben
Dass es die unsre sei.
Grün sind die Fluren
Die Fahnen sind rot.
Unser die Arbeit
Unser das Brot!

Berthold Brecht, 1898-1956, deutscher Schriftsteller

Ein Gedanke zu „Lieblingstext Berthold Brecht

  1. Liebe Frau Kadur,
    das gefällt mir. Sofort habe ich Bilder im Kopf, und mit diesen scheinbar schlichten Versen bekommen wir eine Idee davon, worum es am Tag der Arbeit geht.
    Dabei kommt mir auch ein Gedicht von B. Brecht in den Sinn, das ich oft in Gedanken bei mir habe, wenn ich allein im Auto am Steuer sitze:
    „Der, den ich liebe,
    hat mir gesagt,
    dass er mich braucht.
    Darum gebe ich auf mich acht, sehe auf meinen Weg
    und fürchte jeden Regentropfen,
    dass er mich erschlagen könnte.“
    Jetzt, in Corona-Zeiten, fürchte ich leider auch jeden, der mir zu nahe kommen könnte und bin von Herzen froh, dass ich mich auf diesem Weg mitteilen kann.

Kommentare sind geschlossen.