Neuer Gemeindebrief Juni bis August

„…und sie wurden alle erfüllt vom heiligen Geist“ (Apostelgeschichte 2, 4a)

Es ist der 27. Juni 2018. In Kasan in Russland stehen sich die Fußballnationalmannschaften von Deutschland und Südkorea gegenüber. Die Spieler der deutschen Mannschaft gehören zu den besten und höchstbezahlten der Welt. Außerdem sind sie der amtierende Weltmeister. Südkorea hat nicht einen einzigen Spieler, der es an Klasse und Marktwert mit den deutschen Cracks aufnehmen könnte.

Und dennoch gewinnt am Ende Südkorea das Spiel mit 2:0, und Deutschland scheidet schon in der Vorrunde dieser WM aus. Woran lag es? Die Presse schreibt hinterher von „uninspirierten Auftritten“ und einer „Mannschaft ohne Teamgeist“.

Der 12. Mann

Was ist das für eine Kraft, die bewirkt, dass sich eine sportlich limitierte Mannschaft wie Südkorea den deutschen Weltmeistern auf einmal als überlegen erweist? Wer oder was war dieser heimliche „12. Mann“, der da irgendwie mit auf dem Platz stand und die einen so beflügelte, dass die anderen nicht mehr gegen sie ankamen? Man nennt diese Kraft den „Teamgeist“. Eine „Begeisterung“, die die elf Koreaner so stark gemacht hat, dass sie die uninspirierten Champions nach Hause schicken konnten. Seit Pfingsten, so erzählt es die Bibel, ist so eine Kraft auch in der Kirche am Werk. Die verzagten Jüngerinnen und Jünger Jesu saßen hinter verschlossenen Türen – aber dann geschah etwas, was sie begeisterte: Eine Kraft entstand in ihnen und zwischen ihnen, die aus dem ängstlichen kleinen Rest der Jesus-Leute jenes Power-Team formte, das mit der Botschaft des Evangeliums am Ende die ganze Welt verändern sollte.

Teamplayer und Artisten

Gottes Geist ist in den biblischen Geschichten immer auf eine Gemeinschaft bezogen. Aber dieser Geist schenkt auch dem Einzelnen sehr persönliche Begabungen, mit denen wir manchmal über uns selbst hinauswachsen können. Petrus und sein Verhalten in der Pfingstgeschichte ist ein Beispiel dafür: Petrus war Fischer und vielleicht sogar Analphabet, als Jesus ihn rief. Fischer sprechen meist auch nicht viel. Sie arbeiten mit den Händen und ihrem Gefühl für die Natur.Aber in dieser verrückten Pfingstgeschichte heißt es jetzt von diesem Fischer Petrus, dass er mit einer gewaltigen Rede tausende Menschen erreicht und viele davon so berührt hat, dass sie sich am Ende sogar taufen ließen. Gottes Geist macht uns zu Teamplayern, ja. Aber er macht uns auch zu großartigen Einzelkönnern – mit unserer je eigenen Begabung. Beides braucht Gott, damals wie heute.

Eine Prophetin von heute

Dass der Einzelne ja doch nichts machen kann – das ist ein Satz, den der heilige Geist – da bin ich mir sicher – nicht hören will aus unserem Mund. Eher sollten wir uns fragen: Wofür bin ich begabt? Womit hat Gott mich begeistert? Wo werde ich gebraucht, um den Teamgeist der Kirche stark zu machen? In den letzten Monaten hört man immer wieder von der schwedischen Schülerin Greta Thunberg und ihrem Schulstreik an Freitagen. Die 16-jährige Schwedin will damit erreichen, dass die Erwachsenen-Welt endlich ernsthaft etwas gegen den Klimawandel unternimmt. Für mich ist Greta Thunberg eine Prophetin von heute. Eine, die – wie Petrus – etwas tut, was eigentlich eine totale persönliche Überforderung ist. Die aber darauf vertraut, dass der Mut und der Geist und die Kraft schon kommen werden. Und sie sind gekommen, und schon jetzt redet die Welt anders über diese Dinge als vor Gretas „kleiner Schüler-Aktion“.Pfingsten kann überall werden. Auch heute.

Ihr Wolfram Behmenburg